Was ist Blutdoping?

Missbrauch von EPO im Radsport, Wintersport und Leichtathletik

07.07.2009 Andreas Wendt

Nicht erst seit der Sperre der deutschen Vorzeige-Eisschnellläuferin Claudia Pechstein durch die Internationale Eislauf-Union ist das Thema „Blutdoping" in aller Munde.

Unzählige Radprofis wurden in den vergangenen Jahren des Blutdopings ebenso überführt wie zahlreiche Wintersportler oder Leichtathleten. Doch was ist Blutdoping eigentlich?

Das ist Blutdoping

Vor einem Wettkampf bekommt der Sportler eine mit Sauerstoff angereicherte Bluttransfusion, entweder von etwa vier Wochen zuvor entnommenem Eigenblut oder Fremdblut der eigenen Blutgruppe. Damit erhöht sich der Anteil der roten Blutkörperchen im Blutkreislauf erheblich, sodass mehr Sauerstoff von der Lunge in die entsprechenden Muskeln gelangen kann. Kombiniert werden diese unerlaubten Bluttransfusionen von vielen Sportlern mit einem Höhentraining, das die Sauerstofftransport-Fähigkeit des Blutes weiter erhöht. Genutzt wird dieses Verfahren vor allem von Ausdauersportlern.

Bekannt ist das Blutdoping bereits seit den 1970er Jahren. Damals wurde dem finnischen Langstreckenläufer Lasse Viren nach seinen Olympiasiegen über 5.000 und 10.000 Meter 1972 in München Blutdoping vorgeworfen, welches damals allerdings noch legal war. Seit 1987 ist es möglich, das für die Bildung der roten Blutkörperchen zuständige Wachstumshormon Erythropoetin (EPO) synthetisch herzustellen. Seitdem hat sich EPO-Doping zur meistgenutzten Dopingmethode entwickelt.

Gesundheitliche Risiken von Blutdoping

Beim Blutdoping bestehen auch zahlreiche Gesundheitsrisiken, besonders bei Infusionen mit Fremdblut. Unter anderem kann es zu allergischen Reaktionen mit Nierenschädigungen aufgrund von falsch gekennzeichnetem Blut kommen oder zu Infektionen mit Krankheiten wie AIDS oder Hepatitis B. Blutmangel und Schwindelgefühle können ebenso auftreten wie Überlastungen des Herz-Kreislaufsystems.

Nachweisbarkeit von Blutdoping

Viele Jahre lang konnten sich die Sportler nahezu in Sicherheit wiegen, da das Blutdoping so gut wie nicht nachweisbar war. Im Jahr 2000 entwickelten die Franzosen Françoise Lasne und Jaques de Ceaurriz ein mehrstufiges Verfahren, mit dem EPO im Urin nachweisbar war – allerdings nur für zwei Tage. Wenig später gelang dem Australier Robin Parisotto aber ein erster großer Durchbruch in der Nachweisbarkeit des Blutdopings. Am Australian Institute of Sport entwickelte er mit seinem Team einen EPO-Bluttest, mit dem der Nachweis bis zu sechs Wochen nach Aufnahme in den Körper möglich war. Ende 2003 entwickelte die Forschergruppe um den australischen Doping-Experten Michael Ashenden ein Verfahren zum Nachweis von Doping mit Fremdblut-Infusionen, das seit 2004 von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) genutzt wird.

Ein Nachweisverfahren von Doping mit Eigenblut gibt es derzeit noch nicht. Ein Indiz für diese Art des Dopings ist der Hämatokritwert, der den Anteil der unter anderem für den Sauerstofftransport zuständigen roten Blutkörperchen wiedergibt. Im Radsport werden seit 1997 Athleten, bei denen ein Hämatokritwert von über 50 Prozent festgestellt wird, aus Sicherheitsgründen mit einer sogenannten Schutzsperre belegt. Eine Überschreitung kann allerdings nicht als Indikator für Doping bezeichnet werden. Auch genetische Veranlagungen oder Höhentrainingslager können für einen erhöhten Hämatokritwert sorgen.

Spektakuläre Dopingfälle

Die ersten spektakulären EPO-Dopingfälle gab es bei der Tour de France 1998. Französische Ermittler hatten beim Festina-Team Nachweise für Blutdoping im großen Stil gefunden. Daraufhin wurde das gesamte Team aus der „Tour“ ausgeschlossen, ein Fall der als „Festina-Affäre“ in die Geschichte einging. Der Dopingskandal um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes erschütterte den Radsport vor der Tour de France 2006. Kurz vor dem Start wurden insgesamt 58 Radprofis von der „Tour“ ausgeschlossen, darunter auch der deutsche Rad-Star Jan Ullrich und der Italiener Ivan Basso. Ein Jahr später gaben auch die beiden deutschen Radprofis Erik Zabel und Rolf Aldag jahrelanges EPO-Doping zu. Neben Radsportlern wurden in den vergangenen Jahren auch zahlreiche spektakuläre Dopingfälle in der Leichtathletik und im Wintersport bekannt. So wurde unter anderem der 1.500-Meter-Olympiasieger von 2008 in Peking, Rashid Ramzi (Bahrain), nachträglich des EPO-Dopings überführt. Für Aufsehen sorgten zu Beginn des Jahre 2009 auch die positiven Dopingbefunde der russischen Spitzen-Biathleten Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa, Dimitri Jaroschenko und Iwan Tscheresow.

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